Sie werden sagen: Wenn Marketing tatsächlich von Machen käme hieße es Maketing. Heißt es natürlich nicht. Marketing ist das Partizip Präsens des englischen Verbs to market und bedeutet absetzend/verkaufend. Sprachlich gesehen. Dieses Verständnis eröffnet jedoch einen Interpretations- und Handlungsspielraum, der an der Realität eines Großteils der Unternehmen vorbeigeht. Drei Gruppen tragen im Wesentlichen ihren Teil dazu bei:

1. Die Allgemeinheit: Viele denken bei Marketing zuerst an Werbung. Meine Kunden – Einzelunternehmer und inhabergeführte kleinere Mittelständler im B2B-Bereich – besetzen Nischen und bekommen bis zu 90% ihrer Kunden auf Empfehlung. Werbung ist weder im Budget noch nötig.

2. Die Wissenschaft: An der Uni habe ich gelernt, Marketing sei marktorientierte Unternehmensführung. Als ich studiert habe passte das, denn wir hatten noch so etwas wie Märkte mit relativ überschaubaren Segmenten. Es gab tatsächlich voneinander abgrenzbare Zielgruppen. Aber seit dem ist viel passiert. Die Kundenwünsche sind immer individueller geworden. Die Unternehmen entsprechend spezialisierter. Die Kundengruppen infolge dessen immer heterogener. Auch im B2B-Bereich.  Seine Unternehmungsführung heute auf Märkte oder Zielgruppen auszurichten hieße mit Kanonen auf Spatzen zu schießen. In einem Empfehlungsbasierten Geschäft geht es ohnehin um persönliche Beziehungen zwischen Menschen. Und die lassen sich nun mal schwerlich unter einen Hut bringen. Marktorientierung führt nicht zu Fokussierung.

3. Die Marketingberater: Am letzten Wochenende meinte ein Agenturchef auf einer Veranstaltung für Gründer und Selbständige, Marketing sei eine Denkhaltung. Ganz ehrlich? Das gilt für Marketingberater – von Berufs wegen. Wir denken Marketing. Jeden Tag. Nicht für uns. Für andere. Bei Solopreneuren und kleinen Unternehmen (das sind immerhin beinahe 90% der deutschen Unternehmen) gibt es oft nicht einmal ein festes Budget für Marketingausgaben oder klare Kompetenzen, geschweige denn Zeit, im Geschäftsalltag zwischen Kundenterminen und Beratung oder Produktentwicklung, Personalgesprächen und IT-Optimierung nachzudenken. Die Denkhaltung in Sachen Marketing ist eher: „Marketing muss ich auch noch machen.“ Oder „Jetzt nehme ich mir mal wieder Zeit fürs Marketing.“ Mit externer Hilfe erstellt man dann einen neuen Internetauftritt, stampft ein Newsletterkonzept aus dem Boden, lädt zum Kundenevent oder richtet eine Facebookseite ein. Die hat man jetzt wohl. Und dann denkt man nicht mehr dran. Wann auch? Das Tagesgeschäft geht weiter. Marketing als Denkhaltung greift definitiv zu kurz.

Inhaber von kleinen Unternehmen sind Getriebene, sie sind Macher. Marketing bei diesen Unternehmen muss bedeuten: Alles, was sie tun, muss auf den Kern der Marke einzahlen. Für etwas anderes gibt es weder Zeit noch Geld. Marketing in der Praxis sollte sein wie Atmen. Das macht der Mensch auch einfach – ohne nachzudenken.

8 Comments

  • Liebe Maren,

    danke für diesen inspirierenden Artikel 🙂

    Besonders die Aussage „Marketing in der Praxis sollte sein wie Atmen. Das macht der Mensch auch einfach – ohne nachzudenken gefällt mir. Allerdings glaube ich auch, dass das nur bzw. viel leichter funktioniert, wenn man weiß, warum man macht, was man macht. Wenn Menschen von ihrem Produkt oder ihrer Dienstleistung 100% überzeugt sind, wenn sie „brennen“ für das, was sie tun, dann SIND sie Marketing. Diese Menschen kennen die Antwort auf Simon Sineks Frage WHY?

    LG Simone

    • Liebe Simone,
      vielen Dank. Aber der Satz „Marketing ist wie Atmen“ stammt nicht von mir, sondern war das Feedback eines Kunden nach meiner Beratung und hat mich zu diesem Artikel inspiriert.
      Du hast den Nagel auf den Kopf getroffen mit dem Brennen.
      Für alle, die Simon Sineks noch nicht kennen: Hier geht es zu seiner Webseite http://www.startwithwhy.com/
      LG Maren

  • Liebe Maren,

    vielen Dank für dieses energiegeladene Statement, diesen anregenden Artikel. Und: Genauso so ist es! Marketing ist nicht etwas „das man irgendwann auch noch machen muss“, etwas das, manchmal notdürftig und unter Zeitdruck, in den Geschäftsalltag integriert werden sollte.
    Es ist vielmehr bereits jeder Email-Abbinder, jeder Telefonanruf, jedes Gespräch.
    Denn wie du selbst sagst: Sobald ein Unternehmer den Kern seiner Marke kennt und ihn verinnerlicht hat, zahlt alles, fast automatisch auf diesen ein.
    In diesem Sinne, lg Alexandra

  • Liebe Frau Martschenko,

    mit „Marketing kommt von Machen“ rennen Sie bei mir offene Türen ein. Das vermittle ich meinen Klienten auch dauernd.

    Gleichwohl stimme ich auch dem Satz zu, dass Marketing eine Denkhaltung ist. Noch mehr: Ich bin sogar überzeugt, dass ohne diese Denkhaltung kontinuierliches Machen ziemlich schwierig ist.

    Ich weiß nicht, wie der von Ihnen zitierte Gesprächspartner das mit der Denkhaltung gemeint hat. Ich meine damit, sich mental aus der eigenen Welt zu lösen und die Brücke zu schlagen zum Kunden resp. zum Markt.

    Das bedeutet auch, sich in die Lage des Kunden zu versetzen, dessen Situation zu verstehen etc., statt nur von sich selbst auszugehen und lauter Ich-Botschaften zu senden wie „Ich bin“, „ich biete“, „ich kann“ usw.

    • Liebe Frau Birkner,
      ich freue mich, dass Sie meine Idee teilen. Selbstverständlich sollte der Artikel kein Plädoyer sein, den Kopf völlig auszuschalten, sondern inspirieren, über den Kern der eigenen Marke nachzudenken: Wofür stehe ich? Und wie Simone Happel es formuliert hat: Wofür brenne ich? Warum tue ich das? Das sind Ich-Botschaften, die die Kunden hören wollen. Und natürlich auch genau wie Sie sagen darüber nachzudenken, was brauchen meine Kunden? Wofür brennen sie? Was ist ihnen wirklich wichtig? Ganz konkret? Wenn der Kern klar ist, dann sollte er auch in jeder Faser des Handelns erlebbar sein. Nur denken genügt nicht. Das wirkt nicht nach außen.

  • Vielen Dank für den herzhaften Lacher, „Viele denken bei Marketing zuerst an Werbung“. leider gibt es von diesen „Viele“ noch sehr viele.

    Aber sie haben natürlich recht, Marketing ist wie Atmen, marketing ist alles was ich betreibe um mich am Markt zu zeigen und zu behaupten. Ob das Werbung oder Produktentwicklung ist, die FB-Seite oder der Mitarbeiter aus der Buchhaltung der gerne den Kassenwart in drei Vereinen macht, weil er es kann.

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