Genau 450 Tage ist es her, dass ich diesen Tweet geschrieben habe. Es war eine Zeit, in der mir mein Blog sehr wichtig war, aber ich es irgendwie nicht schaffte, regelmäßig zu schreiben. Warum? Es dauerte immer sehr lang, bis ich tatsächlich eine ganz konkrete Idee hatte und dann dauerte es noch einmal sehr lange, bis ich anfing, sie in die Tastatur zu klopfen. Es brauchte oft ein „Jetzt schreib’, du Sau!“, um meinem inneren Schweinehund das Prokrastinieren abzugewöhnen.

Die Artikel waren damals auch nicht schlecht, aber ich wusste, es geht noch besser. Deswegen holte ich mir nach der Devise „Von den Besten lernen“ Rat von außen. In diesem Fall von Kerstin Hoffmann, die das sehr erfolgreiche Blog „PR-Doktor“ betreibt. So habe ich einen Quantensprung beim Schreiben gemacht. Ich schreibe nun regelmäßig, weil ich nicht mehr so lang für das Anfangen benötige. Diese sieben goldenen Regeln machen das möglich:

Regel 1: Wer fragt, führt

Bevor ich den ersten Satz schreibe, beantworte ich mir selbst folgende Fragen, die mir Kerstin Hoffmann an die Hand gegeben hat. So grenze ich das Thema schnell ein.

  1. Für wen schreibe ich? Hier stelle ich mir eine konkrete Person vor. Im Fall dieses Artikels eine Kundin, die meinte, es fiele ihr schwer zu bloggen, weil sie sich jedes Mal neu zum Schreiben aufraffen müsste. Sie wünschte sich, das Anfangen sei leichter.
  2. Welches Problem hat derjenige/diejenige? Was ist der größte/dringlichste Wunsch der Leserin? Hier konzentriere ich mich wirklich nur auf eine einzige Facette. In diesem Artikel, wie es leichter gehen kann anzufangen. Viele tun sich mit dem Bloggen schwer, weil sie keinen Plan oder Ziel haben, was das Blog für sie tun kann. Darum soll es hier und heute nicht gehen.
  3. Was steht der Erfüllung dieses Wunsches im Weg? Was braucht diese Person von mir? An dieser Stelle ist es gut, seine persönliche Perspektive in den Artikel einzubringen. Das interessiert die Leser am meisten. Ich erzähle deshalb aus meiner persönlichen Erfahrung, was mir geholfen hat, leicht und gerne einmal pro Woche einen Blogbeitrag zu schreiben.
  4. Was kann diese Person danach besser als vorher? Wozu führt das? Wenn Sie einen echten Mehrwert formulieren, werden die Leser auch dranbleiben. Meine Hoffnung ist, dass Sie mit diesen sieben goldenen Regeln mehr Freude am Bloggen haben.

Regel 2: Wer führt, berührt

Es ist schön, wenn alle Texte locker aus dem Handgelenk geschüttelt wirken. Da läge es nahe, munter drauf loszuschreiben. Das führte bei mir stets ins Leere. Als Autor brauche ich die Struktur, um das Thema griffig zu machen. Leser brauchen die klare Struktur in der Geschichte, um sich darauf einzulassen. Hier hilft die ganz klassische Einteilung in Einleitung, Hauptteil und Schluss.

Die Einleitung soll den Leser darauf vorbereiten, was ihn im Artikel erwartet und Lust zum Weiterlesen machen. Folgende Fragen sollten beantwortet werden:

Was ist der größte/dringlichste Wunsch der Leserin? Was steht der Erfüllung dieses Wunsches im Weg?

Der Hauptteil ist das Herzstück des Artikels. Es hilft, sich hier nur auf den dringlichsten Wunsch der imaginierten Person zu konzentrieren. Man sollte nicht versuchen, zu viele verschiedene Aspekte unter einen Hut zu bringen. Das ist für viele wahrscheinlich schwierigste Teil: All das wegzulassen, was nicht zum Kernproblem oder dessen Lösung gehört.

Am Schluss können Sie eine kurze Zusammenfassung schreiben, einen Ausblick gewähren oder etwas fragen. Wenn es passt, gerne auch mal provokant. Das bewirkt mehr Resonanz in Form von Kommentaren als die reine Zusammenfassung der wesentlichen Kernaussagen.

Regel 3: Der Text darf lang sein, aber niemals langweilig

Viele Menschen, die regelmäßig im Internet und speziell Blogs lesen, sind sogenannte Scanner. Sie überfliegen Artikel und entscheiden anhand von Intro und Subheads, ob sie den ganzen Text lesen. Deshalb ist es wichtig, den Text in Absätze zu gliedern und aussagekräftige Zwischenüberschriften einzubauen. Sie sind visuelle Ankerpunkte für den Leser. Auch Aufzählungen in Form von Bulletpoints schaffen Struktur im Text und wirken kurzweilig. Scanner lesen längere Artikel, wenn Sie diese Regel befolgen: „Du darfst lange Texte schreiben, aber niemals Langweilige.“ Vertriebsexperte Heiko Stein stellte das neulich richtig fest:

Regel 4: Bilder sagen mehr als Worte

Auch Bilder, Präsentationen oder Infografiken sorgen für Abwechslung im Text und gliedern den Artikel. Gerade bei Veranstaltungen oder bei Themen mit vielen Zahlen, Daten und Fakten verschaffen sie oft einen besseren Eindruck als ein reiner Fließtext.

Regel 5: Ist der Titel ein heiliger Strohsack?

Ein guter Blogartikel lebt davon, in Social Media Kanälen angeteasert und geteilt zu werden. Die Überschrift ist dabei das A&O. Der Titel muss aussagekräftig sein, die Neugierde wecken und das Thema des Artikels vorwegnehmen. Er sollte nicht zu lang sein. Richtig viral wird ein Blogbeitrag, wenn Sie beim Lesen folgendes Gefühl habe: „Heiliger Strohsack, da wird sich mancher auf den Schlips getreten fühlen.“ Einer meiner erfolgreichsten Artikel im vergangenen Jahr trug die Überschrift „Vergessen Sie Ihre Über-mich-Seite“. Ich lege den Titel erst fest, wenn der Artikel zu Ende geschrieben ist und ich eine Nacht darüber geschlafen habe.

Regel 6: Mach’ es persönlich

Blogbeiträge sind keine Fachartikel. Sie sollen die Leser unterhalten und zum Nachdenken und Austausch anregen. Was es mir wahnsinnig erleichtert hat, genau das umzusetzen, war dieser Tipp von Kerstin Hoffmann: Ich schreibe die vorgezeichneten Gedanken in einem ersten Schritt als Brief an die ausgewählte Person. So fällt es mir leicht, die Person und ihr dringlichstes Problem vor meinem inneren Auge zu halten und trotz lockerer Schreibe nicht abzuschweifen. Dabei halte ich mich an die Devise frei nach Schiller: Ich schreibe einen kurzen Brief, für einen langen hat niemand Zeit. Wenn alle Kernfragen abgehandelt wurden, passe ich den Text in Artikelform an, indem ich Zwischenüberschriften einbaue und Füllwörter herausnehme.

Regel 7: So lang wie nötig, so kurz wie möglich

Es gibt nicht die perfekte Länge für Blogbeiträge. Je nach Qualität des Themas kann sie variieren. Im Durchschnitt sind Blogbeiträge zwischen 700 und 1000 Wörtern lang. Studien besagen, das ist die Länge der Aufmerksamkeit, die Menschen Inhalten im Internet im Durchschnitt widmen. Noch wichtiger als die Länge sind jedoch die logische Struktur, der ansprechende Aufbau und das Beachten von Regel Nummer drei. Siehe oben.

Was sind Ihre Tipps und Tricks für gute Blogbeiträge? Wie machen Sie Ihren Schweinehund zum Blogger? Ich freue mich über Kommentare und, wenn der Artikel gefällt, übers Teilen. Danke!


Und falls Sie nun voller Tatendrang sind und das Thema Blog ganz konkret angehen wollen: Am 19. Juni 2018 biete ich ein Espressinar zum Thema „Corporate Blogs – Schreiben Sie Markengeschichte“ an. Dort teile ich noch mehr Tipps und praktische Beispiele. Mehr Informationen gibt es hier.          

4 Comments

    • Ob ich den Titel anpasse in “Richtig bloggen für Anfänger und Fortgeschrittene”? 😉 Manche Wahrheiten sind so grundlegend, dass sie einfach aufgegriffen gehören. Danke dafür!

  • Hallo Frau Martschenko, danke für diesen schönen Beitrag, den ich gern via Twitter teile. Zwar finde ich, dass sich nicht alle Tipps rein auf das „Loslegen“ beziehen (das war ja der Ausgangspunkt Ihres Textes, dass Sie oft nicht ins Tun, also ins Schreiben kommen), aber dennoch sind sie alle absolut richtig und wichtig. Viele Grüße, Katharina Lewald

    • Das ist richtig. Weitere Tipps beziehen sich darauf, leicht weiterzumachen. Aber die Aussicht, dass am Ende ein guter Blogbeitrag entsteht, ohne dass ich mich quälen muss, fördert enorm die Motivation anzufangen 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.