Wibke Ladwig ist Social Web Ranger und versteht sich als Mittler zwischen Mensch und dem Landschaftsraum Internet. Sie bewegt sich mit Sinn und Verstand im Dickicht des WWW und findet dort sogar einen Platz zum Weiden. Manchmal stehen ihr die Haare zu Berge, das hat aber nichts mit dem Internet  zu tun wie ich in diesem ebenfalls sehr schönen Interview gelernt habe.

 

Mit welchen drei Worten würden Sie sich beschreiben?
Pioniergeist, Kritzeln und Struppiness

Was begeistert Sie am allermeisten an Ihrem Business?
Ich lerne täglich durch meine Arbeit und mein digitales Leben Menschen kennen, die mit Herzblut das tun, was sie wirklich gern machen. Die schräge Ideen haben und sie  umsetzen. Die mehrfach rasant um die Ecke denken und mich damit fast aus der Kurve hauen. Das begeistert mich und inspiriert. Der Kontakt mit diesen Menschen ermutigt mich, meinen eigenen Ideen Raum zu geben und mit ihnen zu spielen. Den Landschaftsraum Internet nach meinen eigenen Vorstellungen mitzugestalten und ihn mit dem Leben außerhalb des Internets zu verbinden, ist mir Triebfeder und Ansporn. Außerdem freue ich mich, wenn ich Menschen ermutigen kann, sich diesen Landschaftsraum zu erobern. Als Social Web Ranger begleite ich sie gern dabei.

Wer oder was inspiriert Sie?
Angedeutet habe ich es bereits: Es sind eher die „Verrückten“, die mich inspirieren. Ich ziehe meine Kraft aus ganz unterschiedlichen Quellen, von denen manche über die Jahre hinweg erschlossen wurden: Literatur etwa. Ich habe immer viel gelesen und tue es noch. Auch wenn ich zugeben muss, dass das Zeitkontingent hierfür in den letzten zwei, drei Jahren geschrumpft ist, zugunsten von Bloggen, Twittern und Schabernack im Internet. Umso mehr schätze ich das Versinken in Büchern. Liebend gern lese ich Klassiker. Ich schätze die Sprache, die Wörter, die wir nicht mehr in Gebrauch haben, die teilweise gestelzt anmutenden Sätze – herrlich! Am liebsten englische Klassiker, die ins Deutsche übersetzt wurden. Die steife Oberlippe und der Hang zur hochgezogenen Augenbraue des Englischen wird ins Deutsche oft mit wundervollen Wörtern angedeutet: Grundgütiger! Entzückend, vortrefflich, vorzüglich, gewiss, ausgezeichnet – Wörter wie Juwelen.

Musik inspiriert mich in gleicher Weise. Sie ist nun auch nichts anderes als Sprache. Auch in der Musik schätze ich es, wenn Menschen ihren eigenen Weg des Ausdrucks suchen. Künstler wie Mike Patton, John Zorn, Zoe Keating, Anna Calvi, Björk, Nick Cave, Eddie Vedder oder David Bowie sind es etwa, die mir Mut machen, mich begeistern und mir Inspiration schenken.

Pferde inspirieren mich. Ich schrieb kürzlich die Geschichte über mich und die Pferde auf. Pferde sind die große Konstante in meinem Leben. Der Umgang mit ihnen gibt mir viele Anregungen für das Leben an sich. Es ist ausgesprochen faszinierend, wie sie miteinander „sprechen“. Pferde spiegeln einander und den Menschen, der sich ihnen nähert. Ich erfahre von ihnen viel über mich selbst. Sie wollen Eindeutigkeit, bevor sie Vertrauen fassen. Es obliegt mir, eine klare Haltung einzunehmen, damit sie mir folgen. Was dann ein unschätzbares Geschenk ist, wenn sie es tun. Sie bewahren mich auch davor, mich selbst zu wichtig zu nehmen. Es ist ihnen nämlich völlig schnuppe, was ich sonst so treibe ;-).

Vermutlich finde ich es grundsätzlich einfach faszinierend, wie sich Lebewesen miteinander verständigen. Wie schafft man es, sich einander mitzuteilen? Wo es doch oft genug sehr schwer ist, für sich selbst herauszubekommen, was einen nun antreibt oder bewegt. Die Körpersprache ist da oftmals eindeutiger als die Wörter, die wir benutzen. Zumal Wörter mitunter durch Erfahrungen für jeden anders besetzt sind und wir uns möglicherweise deshalb nicht immer gleich verstehen.

Aus welchem Fehler haben Sie am meisten gelernt?
Die meisten schwierigen Situationen, die mir einfallen, sind entstanden, weil ich mich den Erwartungen anderer gebeugt und mich selbst verleugnet habe. Es ist kurios: Etwas fühlt sich falsch an. Man tut es dennoch, weil man jemandem zu Gefallen sein möchte, denkt, das müsse jetzt sein oder glaubt, das sei der nächste, gesellschaftlich anerkannte Schritt. Der erste Schritt ist dann auch einfach. Dafür sind die nächsten von Schritt zu Schritt schwerer.

Aus heutiger Sicht wäre ich wohl auch einige Projekte damals in der Verlagszeit anders angegangen. Aber ich hatte als Online Manager noch nicht in dem Maße unternehmerisch gedacht wie heute. Insofern ist es wohlfeil, dies im Nachhinein übermäßig zu bedauern.

Aber mitnichten bin ich nun in allem mit Klugheit gesegnet. Ich versuche nur, achtsamer zu sein und klarere Signale auszusenden. Ich bin nur dann gut in meiner Arbeit, wenn ich an das glaube, was ich tue. In mir findet niemand einen guten Söldner. Dafür bin ich zu gerne selbst der Bestimmer, der seinen eigenen Überzeugungen folgt. Wenn ich allerdings von einem Projekt überzeugt bin und es mitgestalten darf, findet man in mir jemanden, der sich die Sache gern zu eigen macht und sich leidenschaftlich, ehrgeizig und tatkräftig dafür einsetzt.

Wer sind Ihre Wunschkunden?
Oh, wie schön, Wunschpunsch! Also, Wunschkunden … sie sind in der Lage zu vertrauen und loszulassen. Mit Wunschkunden kann ich offen über Vorstellungen und Ziele sprechen. Genauso offen können wir miteinander sprechen, wenn etwas nicht gut läuft und wir lösen das miteinander. Wunschkunden zeigen ihre Wertschätzung, indem sie von sich aus gut zahlen, ohne dass wir wie auf dem Basar miteinander handeln müssen. Wunschkunden sind neugierig und aufgeschlossen. Sie verkaufen die Ideen von anderen nicht als die eigenen. Sie mögen, was sie tun und haben keine Angst vor Veränderungen. Wunschkunden empfehlen weiter!

Was bedeutet für Sie Erfolg?
Dass meine Kunden immer mehr auch Wunschkunden sind, sehe ich als Erfolg an. Ich sehe es als Bestätigung, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Erfolg ist für mich aber nach wie vor eher Ziel als Tatsache. Mit meinem erfundenen Beruf und einer kleinen Verkaufsschwäche meinerseits arbeite ich gerade noch an dem Erfolg von längerfristigen Aufträgen oder Aufträgen, die mir mal finanziell etwas Luft verschaffen. Drei Jahre nach Gründung habe ich den Eindruck, dass es Zeit ist für „den nächsten Schritt“. In Anführungszeichen, weil ich ihn für mich noch klarer fassen muss.

Welche Marketingmaßnahme kam oder kommt am besten an?
Ich gehe ganz verschiedene Wege, um auf mich und mein Angebot aufmerksam zu machen. Sei es über eigene Projekte wie die Wortweide oder die Hörweide, Veranstaltungen wie das stARTcamp Köln oder die book.people@cologne, mein ehrenamtliches Engagement im Börsenverein des deutschen Buchhandels (Leitung der AKEP Kommission Digitale Kommunikation) oder Bloggen bei meiner Sinn und Verstand Kommunikationswerkstatt. Ich gebe Seminare und Workshops beim mediacampus frankfurt, vor allem im Bereich der Fort- und Weiterbildung von Büchermenschen. Vor allem vernetze ich mich gern ganz leibhaftig, gerade auch regional im Kölner Raum.

Was davon wirkt am meisten? Was davon ist eine „Marketingmaßnahme“? Schwer zu sagen. Ich erlaube mir als „freischwebendes Elementarteilchen“ den Luxus, meiner Eingebung zu folgen. Wie zuletzt der, mangels Visitenkarten die #visitenkritzel zu machen: Visitenkarten in limitierter Edition. Jede ein Einzelstück.

Ihr liebstes Social Media Tool?
Twitter! Instagram? Nein, Tumblr! Oder doch Spotify? Die vier am liebsten in Kombination, die sind mein Grundrezept, gewürzt mit Facebook, hier und da auch Google+, das alles serviert mit Youtube und Vimeo. Wenn Besuch kommt, auch mal Xing, quasi der Serviettenring unter den Social Networks. Sowohl Facebook als auch Google+ schätze ich im übrigen vor allem wegen der Gruppenfunktion. Die nutze ich gern für Projekte oder den fachlichen Austausch. Der Rest ist nettes Chichi.

Welche Frage sollte sich eine Unternehmerin oder ein Unternehmer mindestens einmal stellen?
„In einer idealen Welt: Was würde ich am liebsten tun? Wie möchte ich leben? Mit wem und wie möchte ich arbeiten? Was erfüllt mein Leben mit Sinn?“ Geschummelt, ne? Sind gleich mehrere Fragen. Aber ich habe oft den Eindruck, dass Unternehmer vergessen, ihr eigenes Leben zu führen und einem äußeren Zwang folgen. Menschlichkeit, Respekt (vor sich selbst und vor anderen) und Vertrauen gehen dabei häufig verloren. Aber wenn nur eine Frage erlaubt ist, vielleicht diese:

„Habe ich heute schon eine Pause gemacht?“ Mein Thema … ich lege zu selten eine Pause ein.

Wann und wo trinken Sie Ihren Espresso am liebsten?
Am liebsten zuhause, da gibt es den besten Espresso der Welt. Zubereitet vom Mann. Gemütlich am Küchentisch und dabei Radio hören, vielleicht „Gans und gar“ mit Helmut Gote im WDR5. Draußen zwitschern die Vögel und alles ist gut. Und in mir tiefer Frieden.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

 

Nächste Woche geht es weiter mit der bloomigen Franziska von Hardenberg.

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