Peter Breuer ist Werbetexter in Hamburg. Und er bringt genau die beiden Eigenschaften mit, die ich mit guter Werbung assoziiere: Intelligenz und Humor. Die beste Referenz dafür sind seine Tweets. Es gelingt nur wenig anderen Menschen, die Tatsachen des Lebens (er nennt sie Obsessionen) so gewitzt in 140 Zeichen auf den Punkt zu bringen wie ihm. Und das Beste: Jetzt sind sie auch offline erhältlich in seinem Buch „1 Satz sagt mehr als tausend Worte“. Ich schmeiß mich weg vor Lachen!

Mit welchen drei Worten würden Sie sich beschreiben?
Chaotisch, schusselig, das dritte Wort habe ich vergessen.

Was begeistert Sie am allermeisten an Ihrem Business?
Die Chance, jeden Tag etwas anderes tun zu können und innerhalb von drei Tagen vom profunden Kenner der Fruchtsaft-Branche zum gefragten Spinndüsen-Experten zu mutieren.

Wer oder was inspiriert Sie?
Obsessionen. In meinem Fall sind es allerdings weniger Leute, die gerne mit Reptilien zusammenwohnen möchten, sondern Menschen, die von ihrem Gestaltungswillen getrieben sind und ganz in Gedanken aus drei Bierdeckeln ein Haus entwerfen.

Aus welchem Fehler haben Sie am meisten gelernt?
Nach dem Auftragen der Rheumasalbe sehr gut die Hände waschen. Und das ist durchaus als Metapher gemeint: Man sollte die Projekte nicht vermischen.

Wer sind Ihre Wunschkunden?
Das hat sich im Laufe des Berufslebens sehr verändert. Früher hätte zum Wunschkunden ein attraktives Produkt gehört, das ich als Werber ohne Anstrengung mit den Augen des Konsumenten sehe. Ein Sportwagen oder ein anderes Luxusgut – wie simpel. Inzwischen kann ich die Sicht des Kunden auch für Produkte einnehmen, die ich niemals kaufen oder benutzen werde. Weil ich zum Beispiel keine Cola-Abfüllanlage brauche und vermutlich auch nie als Zahnarzt arbeiten werde.
Wunschkunden sagen klar, was sie wollen: Mehr Umsatz, mehr Marktanteil oder eine Markenausrichtung, deren Ziel ihnen schon in groben Zügen bewusst ist. Und Wunschkunden vertrauen darauf, dass ihr Dienstleister in der Zusammenarbeit für das Projekt brennt.

Was bedeutet für Sie Erfolg?
Materieller Erfolg ist mir relativ gleichgültig. Aber ehrgeizig bin ich tatsächlich – ein Gedanke, in den ich mich verbeiße, sollte auch realisiert werden.

Welche Marketingmaßnahme kam oder kommt am besten an?
Werbung spricht in die Menge und versucht, dem Einzelnen das Gefühl zu geben, genau er sei gemeint. Als Dienstleister für sich selbst zu werben, ist einfacher. Jedenfalls dann, wenn man kapiert hat, dass man nicht für sich, sondern um sein Gegenüber wirbt.
Ein Beispiel: Ich habe mir eine fiktive Kampagne ausgedacht, die ich für zehn Unternehmen derselben Branche passgenau angepasst habe. Sechs von zehn haben angebissen, es gab drei Präsentationstermine und zum Schluss konnte ich selbst entscheiden, mit wem ich zusammenarbeite. Inzwischen bereits seit sieben Jahren.

Ihr liebstes Social Media Tool?
Da ich nur noch eine einzige Social Media Plattform nutze, ist die Frage leicht zu beantworten: Twitter. 140 Zeichen sind für jemand, der in Headlines denkt, die perfekte Textlänge.

Welche Frage sollte sich eine Unternehmerin oder ein Unternehmer mindestens einmal stellen?
„Als ich achtzehn war, hatte ich einen Traum von meinem Leben. Bin ich diesem Traum näher gekommen? Mache ich mich wieder auf den Weg oder brauche ich einen neuen Traum?“

Wann und wo trinken Sie Ihren Espresso am liebsten?
16.50 Uhr. Paddington.

Herzlichen Dank für das Gespräch, Herr Breuer.

 

 

 

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