Die renommierte Beratungsfirma AT Kearney hat eine Studie herausgebracht, deren Kernaussage lautet „Um Wettbewerbsvorteile und profitables Wachstum nachhaltig zu sichern, sollten auch in Krisenzeiten kurzfristig notwendige Entscheidungen stets einer langfristigen Strategie folgen“. Das ist natürlich richtig, aber nur bedingt aussagekräftig. Die Frage, die sich nun stellt ist, welche Strategie ist die richtige?

Ich war gestern auf einer Lesung zum Thema wertebasiertes Management. Die Autorin, Evelin Rosenfeld, hat aus ihrem Buch „Strategie der Aufrichtigkeit“ auszugsweise vorgelesen. Einige Aspekte wurden im Publikum vertiefend diskutiert. Die Quintessenz war, dass wir uns verabschieden müssen von faktenbasierten Entscheidungen hin zu wertebasierten Entscheidungen.

Auch ich beziehe bei meiner Beratung sehr viele qualitative Faktoren ein, weil gerade bei Dienstleistern die Persönlichkeit so eine zentrale Rolle spielt. Anders als es uns die klassischen Modelle der Betriebswirtschaftslehre suggerieren, ist der Mensch kein rationaler Entscheider. Entscheidungen werden zu 90%, weil unter Zeitdruck und mangels Managementwissen, aus dem Bauch heraus entschieden. Unterbewusst fließen die Werte des Unternehmers immer in die Entscheidungen mit ein. In der Bewusstmachung dieser Werte liegt das große Potenzial, um Unternehmen aus der Krise zu führen. Deckungsbeiträge und anderes Zahlenwerk können bestenfalls dazu dienen, dem Unternehmer schwarz auf weiß zu dokumentieren, Handlungsbedarf und die Notwendigkeit einer Veränderung aufzuzeigen oder ex-post den Erfolg der Strategie zu dokumentieren. Wertebasierte Entscheidungen können schneller und nachhaltiger getroffen werden. So gewinnen die Unternehmer Zeit, ihr Managementwissen aufzuholen, Innovationen zu entwickeln oder Golf zu spielen – je nach Interessenslage…

Hier liegt die große Herausforderung für uns Berater: Werte bewusst zu machen, Werte in die Prozesse der Unternehmen einzubeziehen, Werte erlebbar und damit nach außen sichtbar zu machen für Mitarbeiter, Kunden, Investoren.

 

WERTEBASIERTES MANAGEMENT VERBINDET
MENSCHEN MIT DEM UNTERNEHMEN

Wertebasiertes Management (WBM) ist ein Prozess und ein Steuerungsinstrument.
Fürhrungsverhalten und Nachhaltigkeit werden fest in die
strategische Planung, die betriebliche Steuerung und die

Unternehmenskommunikation integriert.
 

5 Comments

  • Re: http://amplify.com/u/ke5 @zehnbar Liebe Frau Martschenko,
    Danke für diese Zusammenfassung – dank auch noch einmal an die engagierte Teilnehmer/innen-Runde.
    Ein wichtiges Ergebnis unserer Expertenrunde (komplett ab heute abend unter http://www.rosenfeld-wmb.de/veranstaltungen.htm) dürfte wohl sein, daß Wertediskussionen und Deklarationen im wahrsten Sinne „wertlos“ sind, wenn sich die Werthaltung der Führungskräfte nicht auch in Steuerungsprozessen und Unternehmensalltag wiederfindet. Diese „harte“ Komponente mit dem „weichen“ Wertethema zu verbinden, erfordert von in- und externen „Changemakers“ eine neue Kompetenz.
    Auf Wiedersehen beim Lesungs-Summit zum Jahresende in Berlin!
    Ihre
    Evelin Rosenfeld

  • Re: http://amplify.com/u/ke5 @zehnbar Hallo Maren,

    ein heikles Thema für die Manager-Landschaft: Klassisches, betriebswirtschaftliches Wissen soll ausgedient haben? Wofür haben wir denn dann studiert?
    Nach wie vor ist man – nicht nur in Führungsetagen – davon überzeugt, dass sog. weiche Faktoren wie z.B. Werte und Emotionen jedweder Art nicht in´s Business gehören.
    Dabei ist es wirklich schon längst erwiesen, dass die meisten Entscheidungen „aus dem Bauch heraus“ getroffen werden; ob es nun 90% sind, sei dahin gestellt, aber es kommt dem wohl nahe. Diese Entscheidungen werden allerdings nicht nur aus Zeitdruck oder aufgrund mangelnden Wissens aus dem Bauch heraus getroffen, sondern aus einem ureigenen Instinkt heraus ( wie z.B. Kaufmotive: Sicherheit, Image und Co. ).
    Eine einzige Frage allerdings bringt viele primär sachlich argumentierende Menschen zum Nachdenken:
    „Wann haben Sie zum letzten Mal WIRKLICH etwas nur auf der sachlichen Ebene gekauft oder entschieden?“
    Hinter dem Sachargument „Geld sparen“ etwa steckt nämlich auch ein „Bauchgefühl“…
    Also, ja: Mehr Werte vermitteln!

  • Hallo Lars, vielen Dank für Deinen Kommentar. Viele Unternehmen schreiben sich Werte wie Vertrauen, Aufrichtigkeit bereits auf die Fahne, um bei Kunden oder Mitarbeitern zu punkten. Glaubwürdig wird das erst dann, wenn diese Werte tatsächlich in die eigenen Unternehmensprozese einbezogen werden. Das erfordert einige betriebswirtschaftliche Kompetenz. Dann lohnt sich auch das Studium.

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