Sichtbarkeit

Gesehen zu werden ist ein wichtiges Thema. Gestern Abend auf einer Veranstaltung zum Thema Gleichberechtigung in Bayern ist mir das Thema in unterschiedlichen Facetten begegnet.

Um Chancengleichheit zu erreichen, müssen Frauen sichtbarer sein bzw. werden. Das ist eine u.a. Aufgabe der Medien. Sie müssen z.B. viel bewusster bei ihrer Berichterstattung über Startups Frauen zeigen. Sonst haben wir noch ewig das Bild von den zwei coolen männlichen Nerds im Kopf, wenn wir an Techgründungen denken. Mädchen und Frauen brauchen Rolemodels, an denen sie sich orientieren können, um zu sehen, was möglich ist. Wir brauchen Veranstalter, die bewusst sagen, ja ich will Chancengleichheit und deshalb mache ich mir die Mühe und suche ganz gezielt Frauen, die auf der Bühne sprechen, und sich nicht in Ausreden flüchten: Es gehe ausschließlich nach Kompetenz oder es gäbe keine Frauen. Beides ist schlichtweg falsch. Es gibt sehr viele sehr kompetente Frauen. Der Eindruck verstärkt sich natürlich dadurch, dass die Medien die Frauen nicht zeigen.

Sichtbarkeit ist nicht keine Bringschuld der Frauen. Ich sehe es als Holschuld der Verantwortlichen in Unternehmen, Wirtschaft, Medien und Politik.

Sichtbarkeit spielt im Marketing eine ganz große Rolle. Auch die Politikerinnen gestern auf der Bühne sind alle digital unterwegs. Sie sind sichtbar auf Twitter, Facebook und Instagram. Manche verwechseln dann allerdings Sichtbarkeit mit Auffindbarkeit. Es genügt nicht, sich einen Kanal zuzulegen und ihn dann nur halbherzig zu bespielen. Sichtbarkeit im Netz hat ganz viel mit Präsenz zu tun. Präsenz im Sinne, ich bin bei dir im Kopf präsent, wenn du an ein ganz bestimmtes Thema denkst. Präsent sein heißt, ich bin online und lese, was andere schreibe, reagiere, interagiere. Auffindbarkeit und Präsenz sind zwei ganz unterschiedliche Varianten von Sichtbarkeit.

Gesehen zu werden hat aber auch noch eine ganz andere Ebene. Ebenfalls auf der Veranstaltung sprach mich eine Netzwerkkollegin an. Eine Sache arbeitete schon geraume Zeit in ihr. Wir besuchten vor gut einem halben Jahr schon einmal eine Veranstaltung zusammen. Eine kleinere Runde. Es ergab sich damals in einem Dreiergespräch eine Situation, in der ich nicht richtig auf sie eingegangen war. Sie fühlte sich von mir als Mensch nicht gesehen. Ich kenne diese Situationen. Das tut wirklich weh. Ich fand es mutig von ihr, mich gestern direkt darauf anzusprechen. Mir ist bewusst geworden, dass ich damals nicht empathisch war. Ich hatte an dem Tag mit mir selbst zu tun und hatte nicht die volle Aufmerksamkeit für ihr Anliegen. Zum Glück konnten wir das in unserem Gespräch gestern klären.

Genau das muss im Großen auch passieren: Die Frauen sind mutig, wenn sie Gleichberechtigung einfordern, wenn sie ganz offen zugeben, dass sie sich nicht gesehen fühlen. Alle, die es hören und das Thema bis dahin aus welchen Gründen auch immer nicht auf dem Schirm hatten, sollten den Anstand und die Empathie haben, das anzuerkennen und zu sagen: Lass uns das gemeinsam klären.

Dies ist der 24. von 30 Artikeln, die ich jeden Tag in 10 Minuten ohne abzusetzen schreibe. Die Themen sind Wünsche meiner Leser. Warum ich das tue, kannst du im Artikel „Freischreiben“ nachlesen. Heute wollte Eventmanagerin Kathrin Schrader etwas zum Thema Sichtbarkeit von mir lesen.

Was mich freut und nie so geplant war: Wieviele andere sich der #10minBlog Challenge angeschlossen haben. Unter dem Hashtag #10minBlog kannst du auf Twitter alle Artikel finden. 

Comments (5)

  1. Jörg Mahrt

    Ich sehe Frauen. Nicht nur als Mann, und weil sie schön sind. Nein, weil sie das beste sind was unsere Menschheit hat. Weil sie immer noch besser als Männer das Leben sehen und bewerten und meistern. Un ich hoffe, das bleibt so. Ich vertraue auf euch Frauen.

    • Welch‘ schöne Worte, lieber Herr Mahrt. Die Frau in mir freut sich natürlich über solche Aussagen.

      Doch finde ich, dass ‚Frau und Mann“ Seite an Seite das beste sind, was unsere Menschheit bietet. Nicht umsonst hat jedes Geschlecht seine Stärken und Spezialitäten. Es gilt, diese gemeinsam in den Ring zu werfen und daraus etwas Großartiges zu machen. Es ist wie mit den Gewürzen. Erst die richtige Mischung macht’s. Ein Gewürz alleine lässt die Speise meist fad schmecken.

    • Maren Martschenko

      Vielen Dank für deinen Kommentar, lieber Jörg! Ich weiß nicht, ob Frauen das Leben besser sehen und bewerten und meistern, auf jeden Fall anders. Die Mischung macht’s! Leider sehen das nicht alle Männer so. Ich vertraue darauf, dass es immer mehr Männer und Frauen gibt, die diese Haltung haben.

  2. Gemeinsamkeit ist für mich das Stichwort.
    Frauen und Männer können mit Ihren Unterschiedlichkeit ein unschlagbares Team bilden und die Themen dieser gesellschaftlichen Umstrukturierung stemmen. Akzeptanz der Stärken beider Geschlechter ist für mich das Zauberwort.
    Ich wünsche mir mehr Männer, die hier mit den Frauen gemeinsam arbeiten, um den Begriff Gleichstellung positiv zu besetzen und damit irgendwann verschwinden wird, weil selbstverständlich

    • Maren Martschenko

      Das wäre schön, liebe Ute! Lass uns daran arbeiten 🙂

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