Gestern las ich auf Facebook einen Post zu einer Veranstaltung. Prof. Bedford-Strohm, Vorsitzender des Rats der Evangelischen Kirche Deutschland wurde wie folgt zitiert: „Wir dürfen uns von der Künstlichen Intelligenz nicht die Verantwortung aus der Hand nehmen lassen – diese sollte immer bei den Menschen bleiben.“

Das ist so ein typisches Angstmacher-Szenario: Künstliche Intelligenz könne den Menschen ersetzen. Künstliche Intelligenz könne dem Menschen irgendetwas aus der Hand nehmen. Was ich so großartig an künstlicher Intelligenz finde: Sie ist so beständig, so berechenbar. Künstliche Intelligenz kennt nicht den Egoismus des Menschen. Deshalb möchte ich Herrn Bedford-Strohm an dieser Stelle widersprechen.

Tagtäglich erlebe ich, wie Menschen eben nicht Verantwortung für Ihr Handeln übernehmen wollen oder wie Menschen die Verantwortung für andere, für größere Aufgaben, für etwas, das nicht nur ihr Leben, sondern auch das anderer betrifft, scheuen. Es macht mich narrisch. Wenn es einen Chip gäbe, den man Menschen einpflanzen könnte, damit sie ein Bewusstsein für Verantwortung entwickeln oder es schärfen, dann bin ich die erste, die sagt: Hurra!

Wir Menschen würden nicht mehr andere Menschen im Mittelmeer ertrinken lassen. Wahrscheinlich hätten wir in deren Herkunftländern keine verantwortungslosen Herrscher, die nur an ihre Macht denken und nicht an das Wohl ihrer Bürger und sie so erst zwingen vor dem Tod zu fliehen. Wir hätten keine Politiker, die Menschen auf der Flucht als Asyltouristen bezeichnen oder einen geschmacklosen Vergleich zwischen ihrem Alter und einer Anzahl Abschiebungen ziehen. Wir hätten kein Dieselgate. Wir hätten keinen Terror von rechts. Menschen mit diesem Chip wären einfach nicht mehr in der Lage, die Verantwortung für Themen, Aufgaben, Fehler anderen in die Schuhe zu schieben, sondern würden sie selbst in die Hand nehmen.

Ich bin kein Fan davon, alles Mögliche zu digitalisieren oder Menschen durch Roboter zu ersetzen, weil das unser Leben einfacher oder schöner macht oder wir dadurch an irgendeiner Stelle hohe Lohnkosten sparen. Wir brauchen keine Pflegerobotor, die mit vereinsamenden Menschen in Pflegeheimen sprechen. Menschen sollten mit Menschen sprechen. Aber an bestimmten Stellen halte ich die Einführung künstlicher Intelligenz für schlau, um die Schwarmdummheit der Menschen einzudämmen.

Dies ist der zehnte von 30 Artikeln, die ich nun jeden Tag in 10 Minuten ohne abzusetzen schreibe. Warum ich das tue, kannst du im Artikel „Freischreiben“ nachlesen. Wenn du magst, schenke mir ein Thema, zu dem du einen #10minBlog Beitrag lesen möchtest. Dieses Thema kommt von Stefanie Grashoff, die mich fragte, welche Art von Roboter würdest ich für mich und meinen Alltag kreieren würde, wenn Geld und Machbarkeit keine Rolle spielten. Du merkst, das hier ist eine „Themaverfehlung“. Das ist für mich auch Teil der Challenge: Auszuhalten, eine Frage ungenügend zu beantworten.

Wenn dich diese Challenge begeistert, schließe dich gerne an! Katja, IngaSteffi, Martina, Stefanie, July, Julia, Jessica, Marjeta, Judith, Claudia und Daniela sind auch schon dabei. 

2 Comments

  • Liebe Maren,
    interessant, welche Wendung Antworten auf eine Frage manchmal nehmen. Ich hatte daran gedacht, das Du Dir einen Roboter ausdenkst, aber Deine Antwort fällt wesentlich größer gefasst und philosophisch aus. Danke!

    • Liebe Stefanie, mir ist leider überhaupt kein Roboter eingefallen. Roboter haben ja oft Spezialaufgaben, z.B. in der Fertigung oder im Kriegseinsatz. Alles, was mir im Zusammenhang mit Robotern eingefallen ist, gefiel mir nicht. Weil es immer darum geht, Menschen zu ersetzen, da wo sie zu teuer sind oder Mangelware wie in der Pflege. Ich bin auch kein Techie. Das könnte mir im Wege stehen, einen „positiven Roboter“ zu erfinden. Das Thema KI finde ich hingegen sehr spannend, weil es dabei genau darum geht, den Menschen an bestimmten Stellen aufzuschlauen. Dennoch danke für deine Frage! Du weißt, ich liebe Herausforderungen 😀

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