Kraft

Man könnte sagen, dass ich mit einem Überschuss an Energie auf die Welt gekommen bin. Für meine Menschen in meinem Umfeld war und ist es nicht so einfach, damit umzugehen. Wer mit mir lebt und wer mit mir arbeitet, kennt das. Es ist Fluch und Segen zugleich.

Ich habe eine durchschnittliche Betriebstemperatur, die über der von anderen liegt – das ist mir mit den Jahren bewusst geworden. Ich brauche regelmäßig körperliche Bewegung durch Radfahren, laufen oder wandern, am liebsten in draußen. Wenn das fehlt, leert sich mein Akku ganz schnell. Auch mental.

Ich brauche immer mehrere Projekte gleichzeitig am Start, denn ich liebe die Vielfalt. Jeden Sonntag schaue ich auf meine Woche zurück und halte Gutes fest, das passiert ist. Und ich schaue auf die nächste Woche und notiere, worauf ich mich freue. Ich plane mir immer Dinge ein, die mir große Freude bereiten. Am besten im beruflichen und im privaten. Das macht das Leben schön.

Dennoch gibt es auch in meinem Leben Momente, wo die Kräfte schwinden. Wenn es doch alles etwas viel wird. Wenn ich vor komplexen Situationen stehe, die mich auch emotional fordern. Wenn ich in solchen Phasen viel reise. Wenn ich jeden Tag mehrfach auf neue Situationen und unterschiedliche Menschen treffe. Wenn es längere Zeit regnet. Wenn ich merke, dass ich andere Menschen enttäuscht habe. Ich weiß, das gehört dazu, dennoch knabbere ich an so etwas.

Weil ich weiß, dass es diese Phasen immer wieder in meinem Leben gibt und dass sie auch viel Gutes mit sich bringen (ich liebe es, neue Menschen kennenzulernen und Herausforderungen zu meistern), meide ich sie nicht, aber ich baue mir schon am Jahresanfang Termine als „Luftpolsterfolie“ ein. Ich meditiere möglichst jeden Morgen. Ich male jeden Freitagvormittag. Ab Freitagabend schalte ich für 24 Stunden mein Handy und Computer aus. Einmal im Monat habe ich einen Auszeittag, an dem ich alleine oder mit Freunden oder Familie etwas Schönes unternehme. Zweimal im Jahr mache ich eine Woche Workation, in der ich an einem Ort, wo andere Urlaub machen, nur an meinem Unternehmen arbeite.

Ich weiß also, dass egal, was mir in meinem Leben passiert, es kommen jeden Tag, jede Woche, jeden Monat, jedes Jahr auch Zeitfenster, in denen ich nichts muss, in denen ich mich dem Flow des Lebens hingeben kann, ganz andere Dinge tun. Zeit und Raum für Spontaneität und Serendipity. Es gibt den Ausspruch „In den Pausen entstehen die besten Ideen“. Genauso erlebe ich es. Ich tanke in meinen Luftpolster-Zeitfenstern physisch, mental und seelisch auf. Über die Jahre habe ich folgendes Paradox beobachtet: Je mehr Zeit ich mir für mich nehme, umso erfolgreicher bin ich beruflich.

Dies ist der 18. von 30 Artikeln, die ich nun jeden Tag in 10 Minuten ohne abzusetzen schreibe. Warum ich das tue, kannst du im Artikel „Freischreiben“ nachlesen. Wenn du magst, schenke mir ein Thema, zu dem du einen #10minBlog Beitrag lesen möchtest. Coach Claudia Pusch hat interessiert, was mich inspiriert und was meine Kraft erhält. Beides ist für mich ganz eng verknüpft.

Wenn dich diese Challenge begeistert, schließe dich gerne an! Katja, IngaSteffi, Martina, Stefanie, July, Julia, Jessica, Marjeta, Judith, Claudia, Daniela und Kristina sind auch schon dabei. 

Comments (2)

  1. Hallo Maren,
    vielen Dank, dass du meine Anfrage umgesetzt hast! Ich finde es spannend, was Menschen ganz konkret tun, um Probleme zu lösen und wie sie es schaffen in ihrer Kraft zu bleiben. Ich wusste, dass du richtig viel dazu schreiben kannst. Ich habe schon immer bewundert, wie konsequent du dir deine Zeiten einplanst. Als ich vor vielen Jahren mein Leben aus einer Krise komplett verändert habe und schwanger mit dem Pädagogikstudium angefangen hatte, hörte ich in allen Vorlesungen und Seminaren, dass wir mit unseren Klienten immer an den Ressourcen arbeiten sollten. Ressourcen erweitern, aufbauen, pflegen. Ich wusste damals noch nicht oder besser gesagt nach dem erste Kind nicht mehr, was mir eigentlich Kraft und Stabilität gibt. Ich habe meine Ressourcen erst wieder entdecken müssen. Allen, denen es ähnlich geht, werden bei dir eine Menge guter Ansätze finden!

    • Maren Martschenko

      Vielen Dank für deine motivierende Rückmeldung, liebe Claudia. Der Begriff „Ressourcen“ ist tatsächlich sehr abstrakt, denn wer auf welche Ressourcen zurückgreifen kann und woraus Menschen Kraft schöpfen, ist höchst individuell. Ich habe es erst schmerzhaft und dann durch Beobachten gelernt. Der erste Schritt, mich mit dem Thema zu beschäftigen war, als ich merkte, dass ich doch nicht unbesiegbar bin. Dann habe ich durch Experten und schließlich durch Ausprobieren herausgefunden, wie es für mich am besten passt. Ein wichtiger Bestandteil sind Strukturen. Dazu kommt auch irgendwann nochmal ein #10minBlog 😉

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