Demut

Ich bin eine große Frau. Ich wirke stark und selbstbewusst. Wenn ich erzähle, dass ich vor Vorträgen immer 1.000 Tode vor Aufregung sterbe und mich ganz klein fühle, höre ich oft: „Das sieht man dir gar nicht an!“ Und doch ist es so.

Von Coach Bettina Stackelberg, der Frau fürs Selbstbewusstsein, habe ich gelernt, dass das Lampenfieber meine Konzentration stärkt. Es ist ein Zeichen von Respekt vor der großen Aufgabe und dem Publikum.

Seitdem ich mir dieser vermeintlichen Schwäche bewusst bin, kann ich souveräner mit den Auftritten umgehen. Einmal war ich vor einem Workshop gar nicht mehr nervös, da wurde mir bewusst, ich bin gar nicht 100% fokussiert auf den Tag und die Teilnehmer.

Es ist ok, sich klein zu fühlen. Es ist meines Erachtens kein Zeichen von Schwäche, sondern eines von Demut. Demut im Sinne eines sich selbst Zurücknehmens gegenüber den Interessen von anderen, zu akzeptieren, nicht vollkommen zu sein oder vollkommen sein zu müssen, dass es vollkommen genügt, ich selbst zu sein.

Überhaupt gefallen mir die Redner am besten, die sich selbst nicht so in den Vordergrund schieben. Die nicht wirken als hätten sie die Weisheit mit Löffeln gefressen, sondern die für ihr Thema einstehen und ganz authentisch erzählen, was sie erlebt haben, woran sie gescheitert sind, was sie gelernt haben.

Ganz nah an der Demut ist aber auch die Demütigung. Es gibt den Typ Mensch, der das Talent hat, dass ich mich ganz klein mit Hut fühle, der mir das Gefühl gibt, ich könne nichts und wisse nichts bzw. er könne das besser. Ich wurde vor ein paar Jahren als Moderatorin für ein Panel gebucht. Ich war gut vorbereitet, dennoch hat mir der Veranstalter stetig das Gefühl gegeben, ich genüge nicht. In solchen Situationen fällt es mir extrem schwer, souverän und gelassen zu bleiben. Die Diskussionsrunde war dann auch eine der schlechtesten, die ich erlebt habe. Es war eine wichtige Erfahrung. Mittlerweile bin ich da aufmerksamer. Heute erkenne ich viel besser, wenn ich einen Typ Mensch vor mir habe, der es braucht, andere schlecht aussehen zu lassen, um sich selbst besser zu fühlen.

Sich klein zu fühlen ist nicht grundsätzlich etwas Schlechtes. Ich lasse mich deshalb nicht mehr abhalten, Großes zu wagen. Im Gegenteil! Die Angst ist ein guter Begleiter. Denn ich weiß, da wo die Angst ist, da ist für mich Entwicklung. Deshalb gehe ich auch immer wieder auf die Bühne. Demütig und souverän.

Dies ist der 17. von 30 Artikeln, die ich nun jeden Tag in 10 Minuten ohne abzusetzen schreibe. Warum ich das tue, kannst du im Artikel „Freischreiben“ nachlesen. Wenn du magst, schenke mir ein Thema, zu dem du einen #10minBlog Beitrag lesen möchtest. Coach Sabine Dinkel fragte mich für diesen Beitrag, ob es auch Situationen gebe, in denen ich mich klein fühle.

Wenn dich diese Challenge begeistert, schließe dich gerne an! Katja, IngaSteffi, Martina, Stefanie, July, Julia, Jessica, Marjeta, Judith, Claudia, Daniela und Kristina sind auch schon dabei. 

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