Wir leben in einer digitalisierten Welt mit täglich neuen technischen Innovationen. Laptops, Tablets, Beamer, Powerpoint, Prezi sind unsere Werkzeuge für Präsentationen und Vorträge. An die Wand werfen, weiterleiten, bei Slideshare hochladen. Es ist so praktisch. Bei technischem Versagen müssen wir leider improvisieren. Erklären unseren Zuhörern „an dieser Stelle hätten Sie jetzt gesehen … aber das kann ich leider nicht zeigen…“ Die Aufmerksamkeit ist dahin. Trotzdem hatte ich immer wieder eine Powerpoint Präsentation im Handgepäck. Bis zu dem Tag als ich an meinem ersten selbst verordneten „technology shabbat“ einen Vortrag über „Marketing und Social Media: Neue Wege zum Kunden für Jungunternehmer“ halten sollte ohne den Einsatz einer Präsentation via Laptop und Beamer. Mein Anspruch war: Was ich in den ersten 20 Sekunden meines Vortrags sage, verankert sich nachhaltig in den Köpfen meiner Zuhörer. Was wäre das?

Ich musste meinen Vortrag neu denken und vorbereiten. Alle meine Präsentationen beginnen normalerweise mit dem Foto eines asiatischen Gemüsemarktes und der These „Gute Gespräche führen zu guten Beziehungen und gute Beziehungen zu guten Geschäften“. Kein Bild verkörpert für mich besser die Ausgangssituation, in der sich die meisten Unternehmen heute befinden, wenn es um Marketing und Kommunikation geht. As Bild vom Markt und die Bedeutung von Gesprächen wollte ich in den Köpfen verankern. So begann ich meinen analogen Vortrag mit dem Satz: „Heute erzähle ich Ihnen, was Social Media und ein asiatischer Gemüsemarkt gemeinsam haben.“ Die Aufmerksamkeit war sofort da. Ein Bild im Kopf. Auf dieses Bild habe ich immer wieder zurückgegriffen. Die Geschichte vom Gemüsemarkt ist deutlich sympathischer und anschaulicher als die Geschichte von der Datenkrake Facebook oder dem Verzettelungstool Twitter.  An den Dreiklang von „Gute Gespräche – gute Beziehungen – gute Geschäfte“ knüpfte ich im Schaubild drei Aktionen und drei Vorteile dieser Art der Kommunikation. Beispiele aus meiner Praxis und aus dem Publikum reicherten die Geschichte an. An der Beteiligung und den Fragen der Zuhörer merkte ich wie gut sie mitdachten. Das Bild des Gemüsemarktes hatte sich verankert, der Kreislauf aus Gesprächen, Beziehungen und Geschäften eingeprägt. Ganz ohne Technik!

Sascha Lobo forderte auf der re:publica unter dem Motto „Reclaim Social Media“, wir sollten uns die Kontrolle über das Netz zurückholen und Inhalte nicht nur durch Dritte verwerten lassen, sondern auf unserem Blog selbst verwerten. Ich gehe noch einen Schritt weiter und fordere alle Kommunikatoren auf: Reclaim storytelling! Holen Sie sich die Kontrolle über die Bilder und Botschaften zurück. Content gehört in die Köpfe der Menschen und nicht ins Silicium. Dafür braucht es kein technisches Tool, sondern zuallererst eine gute Geschichte.

 

Dieser Blogbeitrag nimmt an der Blogparade von Caroline Kliemt „Are we all storytellers? Storytelling in neuen Kontexten.“ teil. Dort finden Sie noch viele weitere lesenswerte Artikel, warum Unternehmenskommunikatoren Geschichten brauchen und wie Sie zu einer guten Geschichte kommen.

 

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