Membership-Programme sprießen derzeit überall aus dem Boden. Sie werden neben Onlinekursen als vielversprechender Weg aus der Zeit-gegen-Geld-Falle gehandelt, weil sie regelmäßiges Einkommen verheißen, ohne dass man permanent launchen muss. Ich empfehle, diese Argumente mit Vorsicht zu genießen. Denn digitale Inhalte im Abo-Format aufzubauen, bedeutet zum einen ein dauerhaftes zeitliches Commitment und zum anderen bedarf es etwas Geduld, bis du damit ganz deinen Lebensunterhalt bestreiten kannst.

Der zeitliche Aufwand lohnt sich dennoch, wenn du Menschen kontinuierlich in ihrer Entwicklung begleiten möchtest. Ich würde sogar sagen: Es gibt dafür kein besseres Format. Am Ende des Artikels gebe ich drei Tipps für den Start, um dich nicht zu verzetteln.

Ich selbst habe letztes Jahr den Magnetprodukt-Club gegründet. Das ist Deutschlands erste Lernplattform im Abomodell für Solo-, Duo- und Sidepreneur:innen, die selbstbestimmt mit Spaß und strategisch an ihrem Unternehmen arbeiten wollen. Möglich wird dies mit dem einzigartigen Trailprinzip. Im eigenen Tempo. Überall und jederzeit. Alleine oder mit anderen.

In dem folgenden Artikel beantworte ich die klugen Fragen, die die wunderbare Claudia Kauscheder im Rahmen ihrer Blogparade zum Thema „Zeitmanagement für Membership-Anbieter:innen“ gestellt hat.

Hier meine Erfahrungen beim Aufbau der Plattform aus den letzten 15 Monaten:

Welche Herausforderungen in Bezug auf dein Zeitmanagement haben auf dich gewartet?

Ich startete mein Membership-Programm, den Magnetprodukt-Club, relativ spontan im ersten Corona-Lockdown im Mai 2020. Die Teilnehmer:innen meiner kostenlosen Webinarreihe zu meinem Selbstlernkurs, dem Magnetprodukt-Kit, wünschten sich eine Fortsetzung. Sie dachten an eine wöchentliche E-Mail, ein Webinar pro Woche und eine Gruppe für den Austausch. Ich hatte damals gleich eine ganze Lernplattform vor meinem inneren Auge, ähnlich der Lernplattform „Trailhead“ von Salesforce mit sogenannten Trails als Onlinekurse. Das sind Schritt-für-Schritt-Anleitungen mit praktischen Aufgaben. Hier prallten gleich (mal wieder) meine hohen Ansprüche und die Wirklichkeit aufeinander.

Mit einem Mal hatte ich neben meinem Beratungsgeschäft ein neues Angebot, das völlig neue Anforderungen an mich stellte in Sachen Content Erstellen, Technologie und Communitymanagement.

Das war in der Tat herausfordernd. Damit ich mich nicht überfordere, traf ich zu Beginn ein paar Entscheidungen:

  • Meine Präsenzzeit pro Woche im Club ist beschränkt.
  • Ich mache den Magnetprodukt-Club nicht alleine, sondern mit einem Team, in dem sich jede:r mit ihren:seinen Qualitäten einbringt.
  • Ich investiere Zeit, um eine solide Basis an Kerninhalten zu bauen, die die Mitglieder in ihrem Tempo durcharbeiten können. Weil, wenn diese Inhalte stimmen, braucht es später kaum noch neuen Content.
  • Ich lasse mir alle Zeit der Welt, die Lernplattform meiner Vision Wirklichkeit werden zu lassen – und beginne erstmal klein mit E-Mail, Webinar und einer Slack-Community. Dank der Haltung „Ich habe alle Zeit der Welt.“ muss ich nicht zu einem bestimmten Zeitpunkt eine bestimmte Anzahl Mitglieder haben, und der Club nicht einen bestimmten Gewinn abwerfen. Das nimmt viel Druck raus.

Voller Begeisterung stürzte ich mich in mein neues Passion Project und dank meines Partners, einem Softwareentwickler, und dem Designteam von FORMLOS Berlin kamen wir viel schneller voran als gedacht. Es war allerdings sehr herausfordernd, das Projekt „Membership“ neben unseren Fulltime-Jobs aufzubauen mit all seinen komplexen Fragestellungen, wie Design, Content, Technologie und Didaktik gut ineinandergreifen. Bis dahin war es mir sehr gut gelungen, mit einer 4-Tage-Woche zurechtzukommen und freitags Kühe zu malen. Nun hieß es, auch abends und am Wochenende zu arbeiten.

Mir war relativ schnell klar, dass ich für eine gewissen Zeit des Aufbaus der Lernplattform neben dem Beratungsgeschäft zweigleisig fahren muss. Und dass ich vorübergehend eben eine 7-Tage-Woche habe, bis die Plattform technisch mit ihrem Core-Content solide steht.

Hat dich der Zeitaufwand deines Memberships überrascht – oder nicht?

Ja und nein. Hätte ich das Membership-Programm in seiner ursprünglichen Form mit einem wöchentlichen Webinar, einer E-Mail pro Woche und der Slack-Community belassen, wäre es überhaupt kein Problem gewesen, dass „nebenbei“ zu betreiben. Die Basics ließen sich sehr gut vorab einschätzen. Der Zeitaufwand betrug anfangs 4 Stunden pro Woche. Da möchte ich auch wieder hinkommen. Das wäre ideal! Realistisch sind eher 8 Stunden.

Durch meine jahrelange Erfahrung als Markenberaterin wusste ich um die Stolpersteine beim Markenaufbau und einer Positionierung, die sich auf das Wesentliche und das Wirksame konzentriert. Mir war und ist wichtig, all mein Wissen und meine Erfahrung im Magnetprodukt-Club verfügbar zu machen. Eigentlich hätte ich mir denken, können, dass ich nicht mal eben über zehn Jahre Beratungserfahrung digitalisiere. Da war ich sicher naiv gewesen. Zum Glück! Möglicherweise hätte ich sonst nie begonnen.

Nachdem ich zwei Monate in der Basis-Version unterwegs gewesen bin, habe ich mich intensiv mit dem Thema „learn experience design“ beschäftigt, also mit der Frage: Was brauchen Menschen, um mit Spaß und Erfolg zu lernen? Insbesondere, wenn es um digitales Lernen geht. Wenn ich möchte, dass meine Kursinhalte bei den Leuten Wirkung zeigen, muss ich mich mit Didaktik beschäftigen. Auch das hatte ich in meiner Naivität anfangs nicht auf dem Schirm gehabt.

Die Erkenntnisse aus vielen wissenschaftlichen Studien führten dazu, dass wir einige Gamification-Elemente wie kurze Lektionen für schnelle Erfolgserlebnisse brauchten, und dass automatisierte Badges nach Beendigung von Lektionen oder auch bei Interaktion in der Community als Belohnung freigeschaltet werden sollten. Letztlich bedeutete das, dass wir eine ganz neue Plattform auf Basis von WordPress aufsetzten, auf der das Lern-Management-System (Learndash) mit angeschlossener Community (Buddyboss Platform Pro) läuft. Diese Feature technisch zu implementieren, war deutlich komplexer als gedacht. Eine fertige Lösung wie Elopage kam für uns nicht in Frage, weil wir unabhängig bleiben wollten und alles in eigenen Look&Feel umsetzen wollten. Das zeitliche Investment hat sich auf jeden Fall gelohnt, weil die Mitglieder dadurch ein einzigartiges Nutzer-Erlebnis und gute Erfolgserlebnisse haben.

Was mir insgesamt zeitlich in die Hände gespielt hat, war die Tatsache, dass mein restliches Leben durch Corona fast zum Stillstand gekommen war. Vor Corona war ich an drei Abenden in der Woche auf irgendwelchen Events gewesen. Mehrfach im Jahr auf Konferenzen. Alle Reisen fielen unter den Tisch. Damit hatte ich natürlich nicht gerechnet. Diese frei gewordene Zeit konnte ich gut nutzen, um den Magnetprodukt-Club aufzubauen.

Hast du deine Workflows verändert? Wenn ja, wie? Wenn nein, wieso nicht?

Ein Membership-Programm und auch mein Magnetprodukt-Club lebt davon, das wöchentlich oder monatlich eine bestimmte Art von Content für die Mitglieder und zur Vermarktung produziert wird. Hier musste ich mir neue Routinen aufbauen. Ich bin ein Fan von Systemen, deshalb habe ich mir zuerst eine Systematik aufgebaut, wie ich z.B. Kurse und E-Mails strukturiere und wie ich meine Arbeitswoche neu einteile.

Mittlerweile sind wir ein sechsköpfiges Team für Strategie, Technik, Text und Design, das agil am Club mitarbeitet. Hierfür habe ich regelmäßige Teammeetings und Retrospektiven in den Arbeitsablauf aufgenommen. Durch die agile Arbeitsweise können wir sehr schnell auf Kundenbedürfnisse reagieren. Das Team ist echt auf Zack. Das hilft im Zeitmanagement.

Welche Routinen hast du für dich gefunden?

Ich habe verschiedene Routinen, die mir helfen, meine Ziele innerhalb einer bestimmten Zeit zu erreichen.

Jedes Jahr im Januar erstelle ich eine Roadmap mit den wichtigsten Meilensteinen, Vorhaben, Zielen für das gesamte Geschäftsjahr. Daraus leite ich meine Quartalsziele ab.

Sehr zentral sind meine Routinen im Rahmen der OKR-Methode. Das ist eine agile Zieleplanungsmethode. OKR steht für Objectives and Key Results. Jedes Quartal setze ich mir neue Objectives (qualitative Ziele) und messbare Schlüsselergebnisse. Monatlich mache ich eine Retrospektive, um Fortschritte festzuhalten. Zudem setze ich die Schwerpunkte für den nächsten Monat. Klar, dass ich dazu zwischendurch auch einen Kurs im Club entwickelt habe.

Jeden Freitag mache ich einen Rückblick zu meiner Woche, in dem ich Learnings, Erfolge und Blocker reflektiere. Sonntags mache ich dann die Planung für die kommende Woche.

Für die Teammeetings haben wir feste Routinen, die uns helfen, fokussiert zu bleiben und zügig zu guten Entscheidungen zu kommen.

Um nicht auszubrennen, achte ich sehr diszipliniert auf acht Stunden Schlaf pro Nacht und gehe täglich eine Stunde spazieren. Das hatte ich vorher nicht gemacht.

Gibt es Tools, die dich in deinem Zeitmanagement dabei unterstützen?

Meine wichtigsten Werkzeuge, um fokussiert und effizient zu arbeiten sind:

  • Milanote nutzen wir im Team für die Retros und die Roadmap.
  • Die OKR-Planung mache ich in Excel. Kontinuierlich Zeit für das Planen und Reflektieren einzuplanen, erhöht extrem die Geschwindigkeit bei der Weiterentwicklung, weil man viel schneller Kurskorrekturen vornehmen kann.
  • Kanban-Boards bei Asana (Kreation) bzw. Jira (Technik), um die anstehenden Aufgaben stets im Blick zu behalten.
  • Mit Later plane ich en bloc meine Instagram-Posts.
  • Timeboxing ist das wohl wichtigste Tool. Ich setze mir Zeitfenster, innerhalb derer ich eine Aufgabe erledigen möchte. Anfangs habe ich eine Woche gebraucht, um einen neuen Kurs zu konzipieren. Mittlerweile sind es zwei Tage – allein, weil ich entschieden habe, dass es nicht länger brauchen darf. Das Lektorat und die Grafik habe ich ausgegliedert. Das spart mir auch wieder Zeit.

Wie organisierst du dein Membership während deines Urlaubs?

Vier Wochen im Jahr mache ich Urlaub. In dieser Zeit gibt es keine Sprechstunde und keine Webinare. Das kündige ich frühzeitig an. Die Wochenmails programmiere ich vor. Alle Kurse stehen rund um die Uhr zur Verfügung. Dafür brauchen die Mitglieder mich nicht. Auch in den Foren können sie sich ohne mich austauschen. Für den technischen Support gibt es eine E-Mail, an die sie sich wenden können. In ganz dringenden Fällen bin ich erreichbar. Kam allerdings bislang nicht vor.

Manchmal arbeite ich auch von Orten, wo andere Urlaub machen. In solchen Workations biete ich weiterhin die wöchentliche Sprechstunde und das Webinar bzw. die monatliche Coworking-Session an. Solange ich Internetzugang habe, ist das kein Problem. So konnte ich zum Beispiel meinem Sohn beim Umzug nach Amsterdam helfen und zwischendurch meinen Club betreuen.  

Auf welche Weise produzierst du deinen Content effizient?

Ich habe feste Termine, wann Content fertig sein soll. Da gilt für mich die Devise „There is nothing more productive than the last minute“. Bei Instagram plane ich am liebsten Inhalte wochenweise im Voraus. Das gelingt mir aber noch nicht so gut. Dafür will ich mir künftig mehr Zeit am Stück einplanen.

Die Inhalte orientieren sich an den Themen des Clubs, an Erfolgsgeschichten der Mitglieder oder an persönlichen Erfahrungen. So muss ich nicht lange überlegen, was ich schreibe.

Mit dem Mikro-Storytelling-Ansatz habe ich eine Methode entwickelt, mit der ich in sehr kurzer Zeit lesenswerte und aktivierende Posts schreiben kann. Weil das so gut funktioniert, habe ich dazu einen Mini-Kurs für den Club entwickelt.

In Canva habe ich alle Brand Assets und Vorlagen für Posts abgespeichert. In die Vorlagen muss ich nur noch die einzelnen Inhalte einfügen. Das spart sehr viel Zeit.

Wie sorgst du dafür, dass du bei diesem langfristigen Commitment nicht ausbrennst?

Das ist ein sehr wichtiger Punkt. Ich habe nach einem Jahr einen modus operandi gefunden, in dem ich gut kontinuierlich den Club betreiben kann und am Wochenende frei habe. Viel länger hätte ich diese Doppelbelastung wahrscheinlich nicht gewuppt. Jetzt erlaube ich mir wieder mehr Pausen.

Den Magnetprodukt-Club zu betreiben, macht andererseits riesig Spaß und gibt mir viel Energie. Das schützt gegen Ausbrennen.

Extrem hilfreich ist, dass ich ein Team habe, das am Club mitarbeitet. Allein würde ich das gar nicht in der Qualität schaffen. Und zusammen macht es viel mehr Spaß.

Welche Strategien hast du für Unvorhersehbares?

Durch die agile Organisation und Planung können wir sehr schnell auf geänderte Rahmenbedingungen und Chancen reagieren. So ist immer Raum für Unvorhergesehenes ­– im Positiven wie im Negativen.

Welche drei Tipps würdest du jemandem für sein:ihr Zeitmanagement geben, der über ein Membership nachdenkt?

Tipp 1: Starte in einer Minimalversion. Plane zuerst nur das ein, was für deine Mitglieder am dringlichsten und wichtigsten ist, und das du mit wenig technischem Aufwand beginnen kannst. Es gibt gerade am Anfang so viel zu lernen, dass es schnell überfordern könnte. Die Gefahr ist zu groß, zu schnell zu viel auf einmal zu wollen.

Tipp 2: Entwickle dein Membership gemeinsam mit den Mitgliedern weiter. Sie spiegeln dir sehr gut, was funktioniert und was nicht. Oft haben sie großartige Ideen, was du verbessern könntest. Auf diese Weise hast du nur Elemente in deinem Membership, das die auch wirklich gebraucht werden. Dafür ist es wichtig, regelmäßig Feedback- und Reflexionsschleifen in der Zeitplanung zu integrieren.

Tipp 3: Mache nicht sofort deinen Lebensunterhalt davon abhängig. Wenn dein Membership-Programm unmittelbar signifikanten Gewinn abwerfen muss, kann dich das unnötig unter Druck setzen. Dann funktionieren Tipp 1 und 2 nämlich nicht mehr, weil du zu schnell zu groß denkst und du nicht die Zeit hast, in Ruhe mit deinen Mitgliedern zu wachsen.

Wie ist es mit dir? Planst du ein Membership oder bist schon damit unterwegs? Was sind deine besten Zeitmanagement-Tipps?

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