Marke ist das, was andere über Sie sagen, wenn Sie nicht im Raum sind. So lautet eine eingängige Definition von Jeff Bezos, dem Gründer von Amazon. Das bedeutet, Marke ist der Spiegel aller Ihrer Entscheidungen, die Sie in Bezug auf Ihr Unternehmen, Ihre Kommunikation und Ihre Beziehungen treffen. Der Wert Ihrer Marke steht und fällt mit Ihrer Entscheidungsfähigkeit. Was ist richtig, was ist falsch? Jetzt oder später? Machen oder lassen? Das sind die wahrscheinlich häufigsten Entscheidungen, die Unternehmer treffen. Wer Entscheidungen trifft macht Fehler. Seit über vier Jahren stelle ich regelmäßig interessanten und inspirierenden Unternehmerpersönlichkeiten zehn Fragen. Eine lautet: „Aus welchem Fehler haben Sie am meisten gelernt?“ Was ich festgestellt habe: Alle, aber auch wirklich alle, treffen Fehlentscheidungen. Was sie daraus lernen ist, was sie erfolgreich macht.

Hier sind die sieben häufigsten Fehler meiner Interviewpartner (und was sie daraus gelernt haben).

Die häufigsten Fehler im Business. Auswertung der 10-Fragen-Interviews
Die häufigsten Fehler im Business. Auswertung der 10-Fragen-Interviews

Den Weg des geringsten Widerstands gehen

Akquise gehört für die meisten Unternehmer zu den unangenehmsten Aufgaben. Gerade in der Anfangsphase ist die Versuchung groß, Aufträge anzunehmen, die leicht zu bekommen sind. Oft entpuppt sich das vermeintlich Leichte bald als zäher Kaugummi.

Eva Mohr, Gründerin des Startups allthatiwant: Mir ist eigentlich nie wirklich etwas mit Leichtigkeit einfach so zugeflogen und ich musste immer für Sachen wie Schule, Uni oder Jobs mit ziemlicher Hartnäckigkeit kämpfen. Einmal hab ich jedoch nicht gekämpft und einen Agentur-Job lediglich aus Faulheit angenommen, da dieser Job zu diesem Zeitpunkt der Weg des geringsten Widerstandes war. Der absolute Horror und ein komplett verlorenes Jahr. Gelernt habe ich, dass man immer für die Sachen, die man will, kämpft und erstmal davon ausgehen sollte, dass man alles Erreichen kann was man will.

Angst vor Fehlern

Perfektionisten neigen dazu, Entscheidungen aus dem Weg zu gehen, wenn sie das Gefühl haben, nicht gut genug zu sein. Dabei  lässt sich gerade aus schwierigen Herausforderungen, die man gut gemeistert hat, viel lernen. Und manchmal sind es auch die kleinen Unperfektheiten, die einen so menschlich machen.

Ank Klis, Designerin: I never was – and still ain’t – very keen on speaking in public, say for over 10 people. In my schooldays I was glad we could convince our teacher to not let us present in front of the class. Nowadays I regret I didn’t take the opportunity to practice more often. I will not shy away from public speaking anymore, but I am not very glad about it either.
My conclusion is to never turn your back on something difficult, just go for it. Even if you fail, there’s always an upside effect of trying.

Kundenerwartungen nicht abgeklärt

Eine gute Idee bringt erst wirtschaftlichen Erfolg, wenn sie auch vom Markt angenommen wird. Die meisten Unternehmensgründungen scheitern, weil die Bedürfnisse der Kunden nicht berücksichtigt wurden. Dabei müsste man nur mit ihnen reden.

Stephanie Zankl, Gründerin der App Enziano: Ganz am Anfang, als wir begonnen haben enziano zu entwickeln, haben wir einfach mal angefangen das Produkt zu bauen, ohne zukünftige User mal zu fragen, welche Features sie überhaupt brauchen. Als dann die allererste Version stand, haben wir bemerkt, dass manche Teile schlicht nicht angenommen wurden, während andere viel ausführlicher gewünscht wurden.
Dadurch habe ich glücklicherweise sehr früh gelernt, dass man ein Produkt absolut kundennah entwickeln muss. Heute entstehen Features nur noch dann, wenn sie auch wirklich vom Kunden angefragt oder gebraucht werden.

Es allen recht machen wollen

Ein Haus das nach allen Seiten offen ist, ist nicht ganz dicht – das war eine der wichtigsten Lektionen zu Beginn meiner Agenturzeiten. Auch wenn es schwer fällt, ist es wichtig, es nicht allen Recht machen zu wollen, weil dann die Qualität leidet.

Raimund Verspohl, Fotograf: Vor vielen Jahren hatte ich einige Plakate für ein kleines Theater zu entwerfen. Jeder Schauspieler des hauseigenen Ensembles hatte immer ganz konkrete Vorstellungen davon, was alles auf ein Theaterplakat gehörte. Bei einem Entwurf machte ich dann den Fehler, allen gerecht werden zu wollen, anstatt alle gut gemeinten Ratschläge meiner Regie unterzuordnen. Das Plakat war zwar immer noch ansehnlich, aber weit davon entfernt, ein Filetstück zu sein. Und alle Köche waren unzufrieden.

Zu schnell zu viel gewollt

Kreative Menschen, die jeden Tag eine neue Idee haben, neigen dazu zu viele Projekte zu schnell auf einmal zu starten. Plötzlich jonglieren sie zu viele Bälle in der Luft. Begeisterungsfähige Menschen tendieren dazu, ihren Enthusiasmus anderen überzustülpen und übersehen, dass sie Kunden und Geschäftspartner oder auch sich selbst überfordern.

Andreas Wiebe, Gründer der Schweizer Suchmaschine swisscow: Ich habe gelernt, die Ideen etwas ruhen zu lassen und nicht gleich los zu legen.

Auf die falschen Leute gesetzt

Einer der Hauptgründe, warum Startups scheitern ist der, dass zu wenig darauf geachtet wurde, wer im Team ist. Auch Solopreneure bezahlen oft teuer, wenn sie mit den falschen Partnern zusammenarbeiten.

Julia Bösch, Gründerin von Outfittery: Wir hätten schon früher mehr Leute, die viel Erfahrung mitbringen, dazu holen sollen. Jetzt haben wir ein grandioses Team, ohne das wir mit Outfittery heute nicht da wären, wo wir sind!

Gegen das Bauchgefühl entscheiden

Es heißt oft, dass die Hälfte der Entscheidungen in Unternehmen Bauchentscheidungen sind. Wenn ich die Antworten meiner Interviewpartner so lese, müsste die andere Hälfte aus Entscheidungen bestehen, die dem Bauchgefühl widersprechen. Seiner Intuition zu vertrauen und nicht auf andere zu hören, ist sicher eine der wichtigsten Fähigkeiten erfolgreicher Unternehmer.

Katja Bartholmess, Serien-Entrepreneurin: Ich mache ständig neue Sachen, ich mache also ständig Fehler. Die meisten Fehler passieren, wenn ich gegen meine Intuition gehe. Meine Intuition ist meine geheime Superkraft. Ich würde also gern lernen, ihr voll und ganz zu vertrauen und zu kieken, was dann passiert. Ist leichter gesagt als getan.

Mehr Mut zu Fehlentscheidungen

Einen guten Unternehmer zeichnet nicht aus, dass er keine Fehler macht.  Ein guten Unternehmer zeichnet aus, dass er aus seinen Fehlern lernt. Denn das ist wahrscheinlich der einzige wahre Fehler, den man machen kann: Nichts zu tun und sich deshalb nicht weiterzuentwickeln. Daher lautet mein Appell: Habt mehr Mut zu Fehlentscheidungen!

Isabella Dschulnigg-Geissler, Hotelier: Ich finde Fehler zu machen ist ein ganz wichtiger Schritt in der Entwicklung eines jeden Menschen – wenn einem nicht die Möglichkeit geboten wird, welche zu machen kann man auch keine Schlüsse daraus ziehen und nichts lernen. Wichtig ist auch ein Grundvertrauen auf sein eigenes Bauchgefühl, sich selbst dabei aber nicht so wichtig  zu nehmen. Und nie vergessen: „there are bigger issues“

 

Dieser Blogbeitrag nimmt an der Blogparade „#jetztentscheideich – Über Entscheidungen und ihren Weg dahin“ teil. Beim Schreiben des Artikels habe ich überlegt, welche Fehlentscheidungen ich in den Jahren meiner Selbstsändigkeit getroffen habe. Bei so manchem Auftrag hatte ich Grummeln im Bauch. Allerdings konnte ich nicht immer genau sagen, ob es wider meiner Intuition oder einfach nur Angst vor der Herausforderung war. Ungeduldig wie ich bin, habe ich auch schon oft zu schnell zu viel gewollt. Aber ich lerne, also bin ich.

3 Comments

  • Hallo Maren,

    vielen Dank für diese lesenswerte Analyse deiner Unternehmensinterviews.

    Zu den vielen Fehlentscheidungen, die wir Unternehmer machen können, kam mir ein Satz von T. Edison in den Sinn:
    „I didn’t fail … I found 1,000 ways it didn’t work“

    Besten Gruß aus Limburg
    Manuela

    • Liebe Manuela, vielen Dank für Dein Feedback. An Edison denke ich auch oft, wenn mal wieder etwas nicht auf Anhieb gelingt. In der Software Entwicklung gibt es die Fail-Fast-Systeme, die Fehler frühzeitig erkennen lassen. Das bräuchten wir Menschen auch 😉

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