Im Internet wird Geld verdient, Print stirbt. Lese und höre ich immer wieder. Die Realität ist: Paid Content stirbt. On- und offline. Die Druckauflagen von Gratiszeitungen steigen, das Netz wird überschwemmt mit Informationen, für die niemand bezahlt. Die Kosten für das Bereitstellen (Gehälter, Druckkosten, Serverkosten etc.) entstehen trotzdem. Auch online. Und wer bezahlt das? Kostenpflichtige Downloads im Internet sind in Deutschland extrem selten. Flattr ist nur einer Minderheit bekannt und wird, weil freiwillig, kaum genutzt.

Das gängige Modell sieht so aus, dass die Kosten der Plattformbetreiber über Werbeanzeigen wieder reingeholt werden. Doch auch das hat seinen Preis. Die Lesbarkeit leidet. Viele Blogartikel sind umrahmt von flackernden bunten Kästchen. Ein Fall, bei dem mir das besonders ins Auge gestochen ist, ist das Blog „Die Karrierebibel“ von Jochen Mai. Gefühlt zum ersten Mal war heute ein Beitrag völlig umrahmt von Werbeanzeigen. Das hat mich auf Twitter zu folgender Aussage veranlasst:

Offensichtlich habe ich mit dieser Aussage einen wunden Punkt getroffen, denn es brach eine hitzige Diskussion darüber los, ob diese Kritik angemessen sei. „Wer nichts bezahlt, hat auch nichts zu sagen.“ „Wer Verpackung bekrittelt, bekrittelt auch den Verpacker.“ „Freibier trinken und über unschöne Gläser meckern, ist unhöflich.“ “Warum nörgeln & Ansprüche stellen ohne was dafür zahlen wollen?“

Diese Aussagen zeigen, dass es mit der Befindlichkeit zum Thema Online Content um weit mehr als ästhetische Aspekte geht. Es fehlt die Wertschätzung dafür. Emotional und finanziell. Wenn das sogar bei einem etablierten Blogger wie Jochen Mai ein so sensibles Thema ist, sollte sich jeder Unternehmer Gedanken über Kosten, Nutzen und Motivation über das „Schreiben ins Internet“ machen bevor die jetzt an allen Ecken gepriesene Content Marketing Maschine auf Hochtouren läuft.

Auch mir ging es um mehr als die Schönheit als ich diesen Tweet abgesetzt hatte:

Ich sehe im Wesentlichen drei Aspekte:

1. Jeder Informationskonsument sollte sich fragen – genau wie Jochen Mai mich zu Recht gefragt hat: Wie viel ist uns der Inhalt eines Blogs wert? Was haben mir die Tipps gebracht? Wie viel habe ich dadurch gewonnen oder gespart? Ernsthaft.
2. Wir Produzenten müssen aufhören, jeden Inhalt ohne Berechnung bereitzustellen. Wir müssen anfangen, uns für gute Inhalte mit echtem Mehrwert bezahlen zu lassen. Fangen wir endlich an, mindestens eBooks und Webinare mit hochwertigem Inhalt zu berechnen. Die Qualität steigt nicht mit fallenden Preisen. Die Milchbauern können ein Lied davon singen.
3. Wir müssen unsere Informationskonsumenten mit Wertschätzung behandeln. Das fängt bei einer ansprechenden Verpackung an und geht mit dem Dialog weiter. Aber bitte nicht so wie oben.

Es geht um mehr als ein bisschen Schreiben und Lesen. Inhalte im Netz sind, was wir daraus machen. Wie soll es Ihrer Meinung nach sein?

 

9 Comments

    • Auch beim Erstellen hochwertiger Inhalte entstehen Kosten. Kostenlos ist es gerade nicht. Viele veröffentlichen ihren Content allerdings umsonst, wenn sie darauf hoffen, so Kunden zu „gewinnen“. Das ist das Dilemma dieser Gratis-Kultur im Netz.

  • »Die Qualität steigt nicht mit fallenden Preisen.«

    Die Qualität steht aber auch nicht zwangsläufig in Zusammenhang mit Klickzahlen oder steigt gar durch das Schalten von Werbebannern.

    Hallo, liebe Frau Martschenko,
    für mich gerade jetzt ein sehr interessantes Thema, da ich selbst für ein Projekt vor der Frage stehe: Einnahmen durch Banner generieren oder die Freiheit genießen, sich nicht für Klickstatistiken und Werbepartner, sowohl optisch, als auch inhaltlich zu verbiegen.

    Und eben da, liegt die Gefahr. Und selbst wenn der Autor in gleicher, authentischer Qualität schreibt, so hinterläßt ein blinkender Werberahmen, zumindest bei mir, einen tendenziösen Beigeschmack.

    Die Frage ist doch, mit welcher Intention Einzelkämpfer einen Blog eröffnen. Aus der puren Lust am Teilen und/oder dem Selfmarketing oder eben auch dem Reflektieren. Für alle diese Aspekte wird er belohnt. Dabei ist die Höhe der Klickrate völlig irrelevant.

    Wenn das Schreiben allerdings zum kompletten Tagesgeschäft wird und darüberhinaus keine Aufträge für die eigene Dienstleistung bringt, und damit der Zwang andere Quellen zu erschließen steigt, sollte man vielleicht überdenken, ob Zielsetzung und Qualität der Inhalte stimmen.

    Selbst das Generieren von Aufträgen sollte sich nicht an Seitenaufrufen orientieren, denn das wäre nichts anderes als verlustreiche Streuwerbung. Dann lieber klein und fein. Filtern und die Spreu vom Weizen trennen.

    Fazit: Stimmt die Qualität, winken Aufträge und man benötigt keine Werbebanner.

    Die Entwicklung des von Ihnen angesprochenen Blogs habe ich nicht verfolgt, insofern ist mein Kommentar auch keine Wertung, sondern eher eine generelle, persönliche Einschätzung.

    Abendlichen Gruß vom Elbstrand
    Oliver Schuh | agd | die gebrauchsgrafiker

  • Mein Blog hatte im August über 70.000 Klicks. Schon öfters wurde ich gefragt, ob ich auf dem Blog nicht Werbung schalten will. Dies schien mir plausibel zu sein und ich freundete mich mit dem Gedanken an.

    Als ich mich jetzt konkret damit befasste, kam ich zu dem Ergebnis, dass ich (vorläufig) keine Werbung machen werde. Gründe? Meine Blogintention ist es, mit meinem Unternehmen noch bekannter zu werden und nicht zusätzliche (Werbe-) Einnahmen zu generieren. Außerdem, denke ich, bleibe ich so authentisch.

    Mag sein, dass ich meine Meinung zur Werbung auf meinem Blog einmal ändere. Momentan jedoch nicht.

    Mit farbenfrohen und 🙂 freundlichen Grüßen, Ihr Opti-Maler-Partner
    Werner Deck

    • Lieber Herr Deck, lieber Herr Schuh,
      herzlichen Dank für Ihre beiden Kommentare. Ihre Entscheidung Ihr Blog werbefrei zu halten, um authentisch und unabhängig zu bleiben, ist nachvollziehbar. Ich halte es genauso. Das geht allerdings mit finanzieller Unabhängigkeit einher, indem wir unsere Einnahmen aus anderen Bereichen generieren.

      Ich frage mich: Wie sieht das mit den hauptberuflichen Bloggern aus? Welche Alternativen haben sie zu Werbeeinnahmen? Zumal in Zeiten von fallenden Preise für Banner&Co.? Man kann auf seiner Seite nicht unbegrenzt Werbeflächen ausweisen. Irgendwann schreckt das die Leser ab und sie fragen sich, ob sie noch auf einem Blog oder bereits auf einer Contentfarm gelandet sind – besonders wenn man die Vermarktung seines Blogs Google überlässt. Ich sehe kostenpflichtige Downloads von Artikeln, eBooks, Webinaren, Podcasts, Videos als Alternative. Und Sie?

  • Die Hauptaussage für mich: „Wir müssen aufhören, alles kostenlos zur Verfügung zu stellen.“ Sicher, Blog-Artikel zu berechnen geht ein bisschen zu weit. Aber E-Books und Webinare kann man doch berechnen, wenn sie einen Nutzen haben. Statt immer hintendran einen kostenpflichtigen Workshop zu schieben, der leer bleibt, weil lieber alle die Webinare nehmen, weil kostenlos.

    Glauben wir wirklich, dass wir dadurch Kunden gewinnen?

    • Liebe Martina,
      vielen Dank für diesen interessanten Hinweis. Feste strategische Partnerschaften in Sachen Blog-Werbung halte ich für einen besseren Weg als die wild geschalteten Anzeigen über Google Adsense wie sie mir bei der Karrierebibel negativ aufgefallen waren. Richard Gutjahr wählt auch eine dezentere und großflächigere Platzierung. Das ist angenehmer für das menschliche Auge. Ganz ohne Reklame kommt allerdings auch g! nicht aus (unten links).
      Was mir auch gut gefällt ist, dass transparent wird, welche Motivation hinter diesem Schritt steht. Das kommt mir mehr entgegen als Sätze wie „Freibier trinken und über unschöne Gläser meckern ist unhöflich“.
      Drei Aspekte darf man nicht außer Acht lassen:
      1. Unabhängigkeit. Sie ist hier in den Kommentaren bereits von Herrn Schuh und Herrn Deck als wichtig erachtet worden. Nur die Zeit wird zeigen, ob sie Richard Gutjahr trotz Werbepartner beibehalten wird. Bei einem Profi wie ihm gehe ich aber mal davon aus.
      2. Reputation. Wie es die Partner angesprochen haben, ist das bestehende Netzwerk und die Leserschaft entscheidend gewesen, das Blog finanziell zu unterstützen. Wenige Blogger haben einen solch guten Ruf. Jochen Mai würde ich mal dazu zählen. Wäre interessant herauszufinden, ob das nicht auch ein Weg für ihn wäre.
      3. Zeitaufwand. Was man auch nicht vergessen darf: Es ist sehr zeitintensiv, Werbepartner zu finden und zu binden. Das macht einem Google Adsens deutlich leichter.
      Für Blogs mit journalistsichem Anspruch sicher eine interessante Alternative. Was meinen andere Blogger dazu?

      Für Corporate Blogs bleibe ich dabei und stimme hierin Gaby Feile zu, wir müssen aufhören Content mit Mehrwert zu verschenken. Workshops und Bücher werden ja auch bezahlt.

  • Content ohne Mehrwert, ist kein Content. 😉

    Hallo, in die sehr angenehme Diskussionsrunde.
    Wie so oft hinkt natürlich das Beispiel mit dem Freibier. Ein Freibier ist ja nur dann ein Freibier, wenn es aus echter Gastfreundschaft heraus kredenzt wird. Wenn daran eine Erwartungshaltung geknüpft wird (Gegeneinladung/Kauf/Auftrag/Empfehlung/etc.), ist es nichts weiter, als Mittel zum Zweck.
    Es kommt durchaus mal vor, daß irgendetwas mit Speis und Trank nicht in Ordnung ist. Hochgradig unangenehm wäre es mir allerdings, würden meine Gäste nicht darauf hinweisen und mir damit die Gelegenheit geben, es zu richten.

    Um es vorweg zu nehmen. Natürlich hinkt auch dieser Vergleich. Ich sag‘ aber nicht wo. 😉

    Zurück zum Thema:
    Ist tatsächlich nun das Ziel, mit dem Content direkt Umsätze zu generieren, liefert man sich eben schnell der Gefahr aus, massentauglich schreiben zu müssen.

    Und genau dies, wäre für mich persönlich genau das Gegenteil von dem, was einen Blog ausmacht. Die Intension für unseren blog, war und ist, die eigene Haltung und Sichtweisen zu zeigen. Zu zeigen, wie man tickt.
    Auf diese Weise bekommt ein potenzieller Auftraggeber ein Gespür dafür, ob es passt, ob die Chemie stimmt.
    Wenn sie nicht stimmt, haben beide Zeit und Geld gespart.
    Das meine ich, wenn ich sage: Spreu vom Weizen trennen.

    Der andere Weg wäre, massenkompatibel zu schreiben. Das wäre mühseelig, brächte wenig Spaß und wäre zudem auch wenig, bis gar nicht authentisch.
    Die Streuverluste wären enorm.

    Derjenige, der zunächst mit den Massen kokettiert und damit ja den »Das-nehme-ich-mal-eben-mit-Effekt« schürt, wird es sehr schwer haben, auf bezahlten Content umzusteigen. Da darf man sich keiner Illusion hingeben.

    Dabei fällt mir gerade der wunderbare Gastbeitrag von Volker Remy auf einem unserer Blogs ein: »gehörnte eitelkeiten« http://www.corporateflower.de/gehornte-eitelkeiten/

    Achtung! Es ist kein massenkompatibler Beitrag. Aber er spricht mir aus dem Herzen und passt, wie ich finde, wunderbar.

    Gruß vom sonnigen Elbstrand
    Oliver Schuh | agd | die gebrauchsgrafiker

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